Was der Herforder Jungunternehmer David Hammen mit seinen dreidimensionalen Druckern alles machen kann
VON THOMAS HAGEN

Leonardo da Vinci wäre hingerissen gewesen. Sein übersprudelndes Genie schüttete ständig neue Ideen aus, die er aufs Papier bannte oder als Holzmodelle baute. Nicht auszudenken, hätte da Vinci ein Gerät besessen, das aus einer Idee ein täuschend echtes Modell anfertigt. Kinofreunde kennen so etwas aus Science-Fiction-Filmen: Objekt scannen, ab in den Rechner, auf den Knopf drücken – schon ist die Kopie aus Kunststoff oder Gips fertig.

Ein Schuh, der aus dem Drucker stammt, ein funktionstüchtiges Kugellager, ein Hammer, der sich anfühlt und ausschaut wie ein echtes Werkzeug, ein auseinandernehmbares und voll gestaltetes Modell eines Einfamilienhauses oder gar eine originalgetreue Nachbildung des ägyptischen Herrschers Tutanchamun – kein Problem mit 3D-Drucker-Technik. Hobby-Versionen sind bereits auf dem Markt – taugen aber nicht recht.

Der Herforder Jungunternehmer David Hammen hat sich verschiedene Profi-Geräte angeschafft und baut gerade eine Firma mit Sitz im Elsbach-Haus auf. Neben Kunststoffen, Nylon und Holz bietet er auch vollfarbiges Polymergips an.

Der 27-jährige Golf-Profi ist Autodidakt, was die Arbeit mit CAD-Programmen angeht. „Ich war völlig fasziniert von den Möglichkeiten, die der 3D-Druck Designern, Künstlern, Architekten, Ingenieuren und Tüftlern bietet“, sagt Hammen.

Nun hat er ihnen einen Marktplatz im Internet eingerichtet, auf dem sie ihre Produkte anbieten können. Hammen tritt quasi als Zwischenhändler oder Vermittler auf. Die auf der Homepage www.vividesign.de zu sehenden Objekte stellt Hammens gleichnamige Firma her. Der Ideengeber erhält ein festgelegtes Honorar, für die Herstellung stellt Hammen eine Rechnung, deren Höhe sich nach der Größe des Produkts richtet, die man frei wählen kann.

Es funktioniert recht simpel: Am Anfang steht eine dreidimensionale CAD-Zeichnung (Computer Aided Design). Sie erfolgt entweder mit einem Computerprogramm oder man scannt eine Vorlage ab und überträgt sie in eine Datei, die dann als Basis für den dreidimensionalen Druck dient. Der Drucker hat einen Scan-Raum, in dem das Modell entsteht.

Im kleineren Drucker entstehen auf faszinierende Art Einzelstücke. Dafür nimmt Hammen eine mit farbigem Plastik umwickelte Rolle von der Wand, führt den Anfang in eine Spule. An deren Spitze sitzt eine Düse die den Kunststoff auf 230 Grad erhitzt. Der Druckknopf packt nun das Material Schicht für Schicht aufeinander, solange bis das Endprodukt im Druckraum fertig ist.

Im großen Drucker im Wert eines Oberklassenfahrzeugs kommt mit Harz oder Kleber angereicherter Gips zum Einsatz. Er kann dann in 390.000 Farbschattierungen und mit allen denkbaren Texturen (Oberflächen) versehen werden. So können keine Großserien entstehen, aber schöne Einzelstücke.

Der Drucker kann für besondere Geschenke zum Einsatz kommen, aber auch für ganz praktische Dinge. „Wenn zum Beispiel ein Teil einer schönen Lampe zerbricht, man aber keine oder nur sehr teure Ersatzteile bekommt, dann scannt man das defekte Teil, lässt es virtuell reparieren und gibt es für kleines Geld in Auftrag“, beschreibt Hammen den Alltagsnutzwert.

In der Industrie sind 3D-Drucker aus den Entwicklungsstuben nicht mehr wegzudenken. So wurde das aktuelle iPhone 5 als Kunststoffmodell modelliert, um Funktionalität und Ergonomie möglichst realitätsgetreu testen zu können. – zu einem Spottpreis.

Hier hat Hammen ein Beispiel: „Ein Oldtimerfreund will das Hersteller-Logo durch ein eigenes ersetzen. Kein Problem dank 3D-Druck. Hätte er das Emblem im Gussverfahren herstellen lassen, wäre er mit 3.000 Euro dabei gewesen. Ich kann es für 100 Euro machen.“